Wir haben schon an vielen ungewöhnlichen Orten gekocht. In der Ringbahn, für ein OP-Team im Krankenhaus, mitten auf der Straße. Aber kein Ort hat uns im Nachhinein so beschäftigt wie dieser: eine Justizvollzugsanstalt, mitten in der Weihnachtszeit.
Die Idee dahinter war schnell erklärt. Die dunkle Jahreszeit ist für viele Menschen schwer, für Inhaftierte gilt das noch mal mehr. Weihnachten und Silvester sind genau die Tage, an denen die Trennung von Familie und Freunden am meisten wehtut. Also haben wir gefragt, ob wir kommen dürfen. Und durften.
Gemeinsam am Herd
Uns war wichtig, dass es kein Abend wird, an dem wir vorne stehen und alle anderen zuschauen. Wir haben Seite an Seite mit den Küchenarbeitern der Anstalt gekocht, also mit den Inhaftierten, die dort jeden Tag in der Küche arbeiten. Es wurde geschnippelt, abgeschmeckt, gelacht und zwischendurch fachgesimpelt wie in jeder anderen Küche auch.
Dass da draußen jemand mit Maske steht und Essen anrichtet, war für viele erst mal ungewohnt. Ein paar Minuten später hat das keine Rolle mehr gespielt. Am Ende saßen alle zusammen und haben gegessen, und genau dafür machen wir das Ganze.
In so viele glückliche Gesichter geschaut
Was uns nach dem Abend erreicht hat, hat uns dann selbst umgehauen. Eine Mitarbeiterin der JVA hat uns ein paar Tage später geschrieben. „Es hat mich tief berührt, in so viele glückliche Gesichter zu schauen. Es war ein ganz besonderer Moment in der häufig so tristen Welt des Justizvollzuges", stand in ihrer Nachricht. Und weiter: „Jeder, der vorher noch einen kritischen Gedanken zu der Veranstaltung hatte, hat ihn an diesem Abend losgelassen."
Auch die Küchenarbeiter haben am nächsten Tag noch von der Zusammenarbeit erzählt, hat man uns berichtet. Wenn ein Abend so lange nachwirkt, dann war es der richtige Ort.
Wir sind alle Menschen
Der Satz steht auf unseren T-Shirts, und an keinem Ort hat er so viel bedeutet wie an diesem. Uns ist klar, dass nicht jeder diese Aktion gut findet. Wenn man erzählt, dass man in einem Gefängnis gekocht hat, kommt schnell die Frage, ob es Gefangenen nicht ohnehin zu gut gehe. Ob Wasser und Brot nicht auch reichen würden.
Wir sehen das anders. Jeder Mensch kann irgendwann in eine Lage geraten, die er sich so nie ausgesucht hätte. Die Strafe sprechen Gerichte aus, das ist nicht unser Job. Unser Job ist ein guter Teller Essen und ein Moment, in dem sich jemand gesehen fühlt. Genau das haben wir an diesem Abend gemacht, mehr nicht und auch nicht weniger.
Warum wir weitermachen
Wir kochen am liebsten für Menschen, die im Alltag übersehen oder vergessen werden. Pflegekräfte, Menschen auf der Straße und jetzt eben auch Menschen hinter Mauern. Die Reaktionen aus der JVA haben uns gezeigt, dass ein gemeinsames Essen an Orten, an denen niemand damit rechnet, am meisten bewegt.
Unser Credo bleibt dasselbe: Wir hören erst auf, wenn wir die ganze Welt bekocht haben. Und dazu gehört auch die Welt, die man von außen nicht sieht.