Am Donnerstagabend lief Deutschland gegen Ecuador, und die halbe Stadt hat sich gefragt, wo man das am besten schaut. Wir haben uns für einen Ort entschieden, an dem Berlin sowieso jeden Abend zusammenkommt: die Ringbahn.
Die Idee war simpel. Statt zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen, haben wir den Fernseher einfach mitgenommen. Ein Flachbildschirm auf einem Einkaufswagen, dahinter eine Powerbank, damit auch ohne Steckdose Bild läuft. Dann rein in einen Zug der Linie S41 und losgefahren. Dazu ein bisschen Deko in Schwarz-Rot-Gold, Girlanden an den Haltestangen, ein kleiner Teppich für das Wohnzimmergefühl und ein Foto von Deniz Undav, weil es sich einfach richtig angefühlt hat. Und natürlich das Wichtigste bei uns: Essen. Popcorn, Bockwurst mit Senf und Ketchup, frische Brötchen und ein Bier für alle, die Lust hatten.
Fremde, die plötzlich zusammen jubeln
Das eigentlich Schöne war nicht der Aufbau, sondern das, was danach passiert ist. Leute, die eigentlich nur nach Hause wollten, standen auf einmal mit einer Bockwurst in der Hand da und haben mitgefiebert. Manche waren skeptisch, als sich die Tür öffnete und dahinter ein komplett geschmückter Waggon wartete. Zwei Stationen später haben genau diese Leute mitgesungen.
Als Leroy Sané früh das 1:0 gemacht hat, ist der halbe Waggon kurz explodiert. Menschen, die sich vorher nie gesehen hatten und sich danach vermutlich nie wieder sehen werden, haben zusammen gejubelt. Für ein paar Minuten war die S41 kein Verkehrsmittel mehr, sondern eine kleine Fanmeile auf Schienen.
Alles war gratis. Mehrere Fahrgäste wollten trotzdem etwas bezahlen, aber darum ging es nie. Wer eine Wurst wollte, hat eine Wurst bekommen, ohne Diskussion. Und ja, als das Bier angezapft wurde, ist am Anfang was auf den Boden getropft. Kurz danach lag ein Handtuch drunter, am Ende haben wir alles wieder eingepackt und den Waggon so verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben. Für uns gehört das einfach dazu.
Sportlich lief es anders als erhofft
Beim Fußball selbst hat der Abend leider nicht so mitgespielt. Nach der frühen Führung durch Sané hat Angulo ausgeglichen, und Plata hat spät das 2:1 für Ecuador gemacht. Am Ende stand eine 1:2-Niederlage für die DFB-Elf, die in New Jersey angetreten ist.
Für die Stimmung in der Bahn hat das erstaunlich wenig ausgemacht. Das Ergebnis war schnell vergessen, der Abend ist geblieben. Genau das ist der Punkt bei so einer Aktion. Es geht nicht darum, ob Deutschland gewinnt. Es geht um den Moment, den man mit wildfremden Menschen teilt, weil man zufällig im selben Zug sitzt.
Wie das Video durch die Decke ging
Was danach kam, hat uns dann selbst überrascht. Der Clip von der Aktion ist auf Instagram richtig durchgestartet, über 100.000 Likes bis Samstagmittag. Kurz darauf haben BILD, die B.Z. und die Berliner Morgenpost darüber berichtet, und auf Reddit wurde fleißig mitdiskutiert.
In den Kommentaren stand vieles, worüber wir uns ehrlich gefreut haben. „Richtige Ehrenaktion von dir" war zu lesen, oder „Leute, wenn das mal nicht das Tollste ist". Jemand hat geschrieben, so etwas gehe nur in Berlin. Und einer fand die Idee so gut, dass er direkt gefordert hat, wir sollten unseren Fahrplan veröffentlichen, damit man beim nächsten Mal gezielt einsteigen kann.
Natürlich gab es auch kritische Stimmen, vor allem zur Frage, wie sauber man so eine Aktion in einer öffentlichen S-Bahn wirklich hinbekommt. Die Frage ist berechtigt, wer täglich mit der Ringbahn fährt, hat genug erlebt. Uns war von Anfang an wichtig, dass am Ende niemand merkt, dass wir da waren, außer den Leuten, die mitgefeiert haben.